
Vor 20 Jahren, 2004, haben wir in Sulzbach zunächst als reine Großtierpraxis angefangen. Seit Juli 2006 sind wir dann auch mit unserer Kleintierpraxis hier in Murrhardt – und genau dieses Jubiläum ist für mich Anlass genug, kurz innezuhalten. Eigentlich wäre das ein Grund für eine große Feier gewesen. Wir haben uns aber für etwas anderes entschieden, das aus meiner Sicht viel besser zu uns passt: eine Aktion, die nicht uns feiert, sondern anderen hilft.
Die Idee: Laufen für einen guten Zweck
Ich laufe seit vielen Jahren, oft früh morgens oder später abends, bevor die Praxis uns beschäftigt. Als ich dieses Jahr wieder mal den Allgäu Panorama Marathon laufen wollte – 70 Kilometer, rund 3.000 Höhenmeter, eine echte Hausnummer –, kam mir der Gedanke: Warum nicht diese Anstrengung mit etwas Sinnvollem verbinden? Also haben wir als Praxis im Vorfeld versprochen: Für jeden gelaufenen Kilometer spenden wir 5 Euro. Nicht als Marketing-Aktion, sondern weil ich der Meinung bin, dass so ein Jubiläum genutzt werden sollte, um etwas zurückzugeben.
Meine Praxisassistenz Silvia Müller – viele von Ihnen kennen sie aus der Praxis, und selbst eine Trailrunnerin – hat sofort zugesagt, mich zu begleiten. Als Drittes im Bunde ist Kerstin Langreder dazugekommen. Drei Läufer:innen, ein gemeinsames Ziel.
70 Kilometer, 3.000 Höhenmeter – und wir haben es geschafft
Ich will ehrlich sein: An manchen Stellen der Strecke haben wir uns gefragt, worauf wir uns da eingelassen haben. 70 Kilometer sind an sich schon eine Ansage, aber die 3.000 Höhenmeter im Allgäu machen daraus noch einmal eine ganz andere Belastung – für die Beine, für den Kopf, für die Motivation in den langen Stunden in großer Hitze, in denen man einfach nur noch weitermachen muss. Was uns getragen hat, war nicht nur das Ziel selbst, sondern der Gedanke, dass jeder einzelne Kilometer, den wir zurücklegen, tatsächlich etwas bewirkt. Als wir zu dritt durch den Zielbogen gelaufen sind, war das ein Moment, den wir alle nicht vergessen werden – körperlich erschöpft, aber mit einem sehr guten Gefühl.
Schon vor dem Lauf hatten sich außerdem Freunde und Verwandte gemeldet, die die Aktion zusätzlich unterstützen wollten. Zusammen mit unserer Praxis-Spende von 5 Euro pro Kilometer kam am Ende eine Summe zusammen, die uns selbst überrascht hat: 1.366 Euro.
Wohin die Spende geht: der Wünschewagen Ludwigsburg
Dieses Geld haben wir vollständig an den Wünschewagen Ludwigsburg gespendet – ein Projekt des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), das ausschließlich über Spenden und den Einsatz von Ehrenamtlichen finanziert wird. Die Idee dahinter ist so einfach wie berührend: Schwerkranken, oft sterbenden Menschen wird noch einmal ein besonderer, letzter Wunsch erfüllt – ein Ort, ein Mensch, ein Moment, den sie sich zurückwünschen oder den sie noch einmal erleben möchten.
Vor Kurzem war Frau Löser vom Wünschewagen Ludwigsburg bei uns in der Praxis zu Besuch und hat uns von ihrer ehrenamtlichen Arbeit erzählt. Zwei Geschichten sind mir besonders im Gedächtnis geblieben. Erst kürzlich wurden Großeltern noch einmal zur Einschulung ihrer Enkelkinder gebracht – ein Tag, den sie ohne den Wünschewagen vermutlich nicht mehr hätten miterleben können. Ein anderes Mal wurde ein 13-jähriges Mädchen ins Sea Life nach München gefahren, um sich einen Herzenswunsch zu erfüllen. Wenn man solche Geschichten hört, wird einem noch einmal ganz anders bewusst, wie viel ein einzelner Tag, ein einzelner Ausflug für einen Menschen und seine Familie bedeuten kann – und mit wie viel Herzblut die Ehrenamtlichen dort im Einsatz sind.
Nicht das letzte Mal
Für mich war dieser Lauf mehr als eine sportliche Herausforderung zum Praxisjubiläum – er hat mir noch einmal vor Augen geführt, wie viel man mit vergleichsweise wenig Aufwand bewirken kann, wenn man es einfach angeht. Wir möchten den Wünschewagen Ludwigsburg deshalb auch in Zukunft unterstützen, und ich würde mich freuen, wenn die Geschichte auch Sie inspiriert, das Projekt kennenzulernen – ob mit einer eigenen Spende, als Ehrenamtliche:r oder einfach, indem Sie davon erzählen.
Ein herzliches Dankeschön an Silvia und Kerstin fürs Mitlaufen und Durchhalten, an alle, die gespendet haben, und an den Wünschewagen Ludwigsburg für die Arbeit, die dort jeden Tag geleistet wird.
Über die Aktion wird in Kürze auch in der Zeitung berichtet.
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