
Vielleicht haben Sie es in den Nachrichten gelesen oder in Gesprächen vom „Kuhfieber“ gehört. Gemeint ist das Q-Fieber – eine Infektionskrankheit, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden kann. Im Zollernalbkreis gibt es aktuell einen Ausbruch. Ich möchte hier kurz und sachlich zusammenfassen, was bekannt ist, was nicht, und was Sie als Tierhalter/Landwirt tun können.
Was ist im Zollernalbkreis passiert?
Am 18. September 2026 meldete ein Hausarzt in Rangendingen Patienten mit deutlichen Lungenbeschwerden, kurz darauf bestätigte das Landratsamt die ersten Q-Fieber-Fälle. Inzwischen (Stand 21. Oktober) sind 20 Erkrankungen bestätigt: 17 in Rangendingen, 2 in Hechingen und 1 in Meßstetten. Der Fall in Meßstetten steht nach Einschätzung der Behörden nicht mit den Fällen in Rangendingen in Verbindung. Dazu kommen zwei Erkrankte in Hirrlingen im Landkreis Tübingen, die laut Landratsamt mit Rangendingen zusammenhängen. Anfang Oktober lagen sieben Patienten mit Lungenentzündung im Krankenhaus – Antibiotika schlagen laut Bericht gut an.
Die Quelle ist bislang nicht gefunden. Das Veterinäramt hat sieben Schaf-, Ziegen- und Rinderhaltungen in der Umgebung beprobt, in keinem Betrieb wurde der Erreger nachgewiesen. Das bedeutet allerdings nicht viel: Tiere scheiden den Erreger nicht dauerhaft aus, ein negativer Test schließt eine frühere Infektion also nicht aus. Das Landratsamt vermutet, dass die Trockenheit der vergangenen Wochen den Ausbruch begünstigt hat, weil sich erregerhaltiger Staub bei Trockenheit leichter verbreitet. Das Gesundheitsamt hofft, dass keine neuen Infektionen mehr hinzukommen – Regen bindet den Staub.
Wichtig für uns hier in Murrhardt und im Rems-Murr-Kreis: Der Ausbruch ist örtlich begrenzt, Rangendingen liegt rund 85 Kilometer Luftlinie von uns entfernt. Mir ist kein Fall aus unserer Region bekannt. Panik ist also nicht angebracht – Wissen über die Krankheit aber schon.
Was ist Q-Fieber?
Q-Fieber wird durch das Bakterium Coxiella burnetii ausgelöst. Es kommt vor allem bei Wiederkäuern vor, also bei Rindern, Schafen und Ziegen. Das Tückische: Infizierte Tiere zeigen oft überhaupt keine Symptome und können den Erreger trotzdem über Monate ausscheiden. Wenn Tiere erkranken, sieht man vor allem Verlammungen bzw. Verkalbungen (Aborte) und beim Rind Fruchtbarkeitsstörungen.
Besonders viele Erreger werden bei der Geburt freigesetzt – über Nachgeburt, Fruchtwasser und Geburtssekrete. Ausgeschieden werden sie aber auch mit Milch, Kot und Urin. Die Mengen sind enorm: Pro Gramm Nachgeburt können bis zu eine Milliarde Coxiellen ausgeschieden werden, für eine Ansteckung reichen schon etwa zehn. Die Bakterien sind sehr widerstandsfähig und können in der Umwelt monate- bis jahrelang überleben.
Wie steckt sich der Mensch an?
Der Hauptweg ist das Einatmen von kontaminiertem Staub. Getrocknete Geburtsreste oder Kot werden mit dem Wind verteilt – deshalb können auch Menschen erkranken, die nie direkten Kontakt mit Tieren hatten. In einer englischen Studie wurde der Erreger bis zu 18 Kilometer weit verweht. Rohmilch spielt laut Bundesinstitut für Risikobewertung eine untergeordnete Rolle. Von Mensch zu Mensch wird Q-Fieber praktisch nicht übertragen.
Etwa die Hälfte der Infektionen verläuft ohne oder mit nur milden Beschwerden. Typisch sind sonst nach zwei bis drei Wochen hohes Fieber, Schüttelfrost, starke Kopf- und Muskelschmerzen, in schweren Fällen Lungen- oder Leberentzündungen. Besonders gefährdet sind Schwangere – Q-Fieber kann zu Fehl-, Tot- oder Frühgeburten führen, selbst wenn die Mutter kaum Beschwerden hat – sowie Menschen mit Herzerkrankungen oder geschwächtem Immunsystem. Schwangeren in Rangendingen wird deshalb ein Bluttest empfohlen.
Wer Fieber und grippeähnliche Beschwerden hat und mit Tieren arbeitet oder sich im betroffenen Gebiet aufgehalten hat, sollte das beim Arztbesuch unbedingt erwähnen.
Was Sie als Landwirt/Tierhalter tun können
- Hygiene bei Geburten: Abkalbungen und Ablammungen möglichst mit Abstand zu Wohnbereichen, dabei Handschuhe und Maske tragen. Nachgeburten und Fruchtwasser zügig und sicher entsorgen, Abkalbebereich sauber halten.
- Staub vermeiden: Mist und Einstreu nicht lange offen liegen lassen, Lagerflächen feucht halten, Staub im und um den Stall binden.
- Aborte abklären lassen: Wenn es in Ihrem Bestand zu Verkalbungen oder Verlammungen kommt, rufen Sie uns an. Wir nehmen Proben und lassen sie untersuchen – nicht nur wegen Q-Fieber.
- Schwangere schützen: Schwangere sollten bei Geburten von Wiederkäuern nicht helfen und Ablammställe meiden.
- Rohmilch: Aus betroffenen Beständen darf keine Rohmilch direkt an Verbraucher abgegeben werden. Wer selbst Rohmilch trinkt, sollte sie im Zweifel abkochen.
- Impfung: Für Rinder und Ziegen gibt es einen Impfstoff gegen Q-Fieber. Er kann die Ausscheidung des Erregers im Bestand verringern, verhindert sie aber nicht vollständig. Ob eine Impfung für Ihren Betrieb sinnvoll sein kann, besprechen wir gerne individuell.
Unser Fazit
Q-Fieber ist keine neue Krankheit, und ein Ausbruch wie im Zollernalbkreis zeigt vor allem eins: Tiergesundheit und menschliche Gesundheit hängen eng zusammen. Bei Fragen zu Ihrem Bestand – ob Rind, Schaf oder Ziege – sprechen Sie uns jederzeit gerne an.
Quellen & Stand
Angaben recherchiert am 22.10.2026.
- Schwarzwälder Bote: Q-Fieber im Zollernalbkreis – 20 Fälle bestätigt, Infektionsquelle weiter unklar (21.10.2026)
- Landratsamt Zollernalbkreis: Ausbruch Q-Fieber 2026
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Q-Fieber – Übertragung des Erregers in Tierbeständen und durch Lebensmittel auf den Menschen
- Ceva Ruminants: Q-Fieber-Alarm im Zollernalbkreis – Was Betroffene und Milchviehhalter jetzt wissen müssen (16.10.2026)
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