
Ja, es ist schon Oktober. Die Blätter fallen, die Lebkuchen stehen schon im Supermarkt – und ich schreibe über Silvester. Das hat einen guten Grund: Jedes Jahr rufen uns in den letzten Dezembertagen verzweifelte Tierhalter an, deren Hund schon beim ersten Knall zittert, hechelt und sich nicht mehr beruhigen lässt. Und jedes Jahr muss ich sagen: Jetzt ist es eigentlich zu spät, um wirklich viel zu bewirken. Wer seinem Tier helfen will, fängt am besten heute an.
Was Silvester für unsere Tiere bedeutet
Hunde und Katzen hören deutlich besser als wir. Was für uns ein lauter Knall ist, ist für sie ohrenbetäubend – und vor allem unberechenbar. Es kracht von allen Seiten, der Himmel blitzt, es riecht nach Rauch, und das nicht für ein paar Minuten, sondern oft über Stunden und teils schon Tage vorher.
Typische Anzeichen von Angst sind Zittern, Hecheln, Speicheln, Verkriechen, ständiges Umherlaufen, Bellen oder Jaulen, bei Katzen auch tagelanges Verstecken oder Unsauberkeit. Manche Tiere geraten so in Panik, dass sie sich verletzen oder davonlaufen. Und leider gilt: Eine einmal erlebte Silvesterpanik wird ohne Hilfe in den Folgejahren meist nicht besser, sondern schlimmer.
Auch Pferde, Rinder, Schafe und Kaninchen im Außengehege leiden unter dem Lärm – ganz zu schweigen von Wildtieren und Vögeln, die mitten in der Winterruhe aufgeschreckt werden.
Meine ehrliche Meinung zum privaten Feuerwerk
Ich will niemandem den Spaß verderben. Aber ich wünsche mir, dass wir als Gesellschaft ehrlicher darüber nachdenken, was ein paar Minuten Böllern für Tiere bedeuten. Zentrale Feuerwerke oder Lichtershows an einem festen Ort, zu einer festen Zeit, wären für Tierhalter planbar – das stundenlange, unvorhersehbare Knallen in jeder Straße ist es nicht. Wer trotzdem selbst zündet: Bitte nicht direkt neben Weiden, Ställen und Gärten, in denen Tiere leben, und bitte nicht schon Tage vorher oder danach. Auch für einen einzigen Böller trägt man Verantwortung!
Was Sie jetzt schon tun können
Die gute Nachricht: Mit etwas Vorlauf lässt sich viel erreichen.
- Geräuschtraining starten. Mit Geräusch-Aufnahmen, zunächst ganz leise und nur in entspannten Situationen, kombiniert mit etwas Schönem wie Futter oder Spiel, lernt Ihr Hund, dass Knallen nichts Schlimmes bedeutet. Die Lautstärke wird über Wochen langsam gesteigert. Wichtig: Das Tier darf dabei nie Angst zeigen – sonst wieder leiser. Genau dafür braucht es die Zeit bis Dezember.
- Einen sicheren Rückzugsort einrichten. Eine Höhle, eine Box mit Decke, ein ruhiges Zimmer ohne Fenster zur Straße – wo Ihr Tier sich verkriechen kann. Richten Sie diesen Ort jetzt ein, damit er bis Silvester vertraut ist.
- Chip und Registrierung prüfen. An keinem Tag laufen so viele Tiere weg wie an Silvester. Ist Ihr Tier gechippt? Und ist der Chip bei einem Haustierregister wie TASSO oder FINDEFIX mit Ihren aktuellen Kontaktdaten registriert? Wir lesen den Chip gerne für Sie aus. Oder schauen Sie mal in den Impfpass.
- Beratungstermin vereinbaren. Bei Tieren mit deutlicher Geräuschangst lohnt sich ein Gespräch in der Praxis. Es gibt gut wirksame, speziell für Geräuschangst zugelassene Medikamente sowie unterstützende Mittel. Welches für Ihr Tier passt, hängt von Alter, Gesundheit und Ausprägung der Angst ab – und manche Präparate sollten vorher einmal probeweise gegeben werden. Auch deshalb: nicht erst am 30. Dezember anrufen.
Ein wichtiger Hinweis: Reine Beruhigungsmittel, die das Tier nur „ruhigstellen“, sind keine gute Lösung. Das Tier kann sich dann zwar nicht mehr bewegen, erlebt die Angst aber weiterhin bewusst mit. Bitte geben Sie Ihrem Tier keine Medikamente auf eigene Faust oder aus dem Vorrat von Bekannten.
Und in der Silvesternacht selbst?
- Hunde tagsüber ausgiebig bewegen, abends nur kurz und immer angeleint raus – am besten mit gut sitzendem Geschirr und zusätzlich Halsband.
- Katzen schon am Vortag drinnen lassen, Fenster und Katzenklappe schließen.
- Rollläden runter, Licht an, Fernseher oder Musik laufen lassen, um die Geräusche zu dämpfen.
- Bleiben Sie selbst ruhig. Sie dürfen Ihr Tier trösten, wenn es Nähe sucht – Sie „belohnen“ damit nicht die Angst. Zwingen Sie es aber auch nicht aus seinem Versteck.
- Kaninchen und Meerschweinchen in Außenhaltung möglichst in einen ruhigen Raum holen oder das Gehege abdecken und zusätzlich einstreuen. Bei Pferden und Weidetieren lohnt ein Blick auf Zäune und eine Kontrolle zum Jahreswechsel.
- Wenn Sie einen Flughafen in der Nähe haben: Die stellen in der Silvesternacht meist besondere Bereiche für Ihr Tier zur Verfügung. Dort bleibt es einfach ruhig. Fragen Sie mal nach oder schauen Sie auf deren Homepage.
Sprechen Sie uns an
Wenn Sie wissen oder vermuten, dass Ihr Tier unter Silvester leidet: Kommen Sie jetzt auf uns zu, nicht erst kurz vor knapp. Buchen Sie doch gerne eine Videosprechstunde zur Beratung. Gemeinsam finden wir einen Plan, damit der Jahreswechsel für Ihr Tier so entspannt wie möglich wird. Ihr Tier wird es Ihnen danken – und Sie selbst haben dann hoffentlich auch einen ruhigeren Start ins neue Jahr.
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